Dr. Rodriguez: Gynäkologin aus Berufung |
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Die richtige Mischung der Schwangerschaftsvorsorge: Ultraschall, Tasten und Schauen
Frau Dr. Rodriguez, bitte beschreiben uns den typischen Tagesablauf eines Gynäkologen!
Meine Praxis ist in der Woche dreimal vormittags und viermal nachmittags für Patientinnen geöffnet. Pro Tag behandele ich ungefähr 20 Frauen. Dazu kommen Patientinnen, die ich zuhause besuche, weil sie nicht mehr mobil sind, hohes Fieber haben oder aus anderen Gründen meine Praxis nicht aufsuchen können. Der Bürokram bleibt dann bis abends oder bis zum Wochenende liegen. Dann beantworte ich Anträge von Krankenkassen oder Kuranträge. Na, und außerdem mache ich natürlich noch alles, was man als Frau generell so macht: den Haushalt, Kochen usw. Zwei von meinen Kindern wohnen noch daheim und dann gibt es da auch meinen zweijährigen Enkel, bei ihm springe ich öfter einmal als Babysitter ein. Als Ansprechpartner für Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch umfasst die Zuständigkeit des Gynäkologen verschiedene Bereiche: Schwangerenversorgung, Beratung von Paaren mit Kinderwunsch, Geburtshilfe und vieles mehr. Ist jeder Gynäkologe Fachmann für alle Gebiete?
Nein. Man sollte grundsätzlich zwischen zwei Gruppen von Frauenärzten unterscheiden. Die eine große Gruppe ist vor allem hausärztlich tätig. Ein hausärztlich praktizierender Gynäkologe macht das ganze Spektrum an den üblichen Untersuchungen, z. B. Geburtsvorsorge, Schwangerschaftsbegleitung usw. Daneben gibt es Frauenärzte, die auf ein bestimmtes Gebiet spezialisiert sind. Die machen dann nur Ultraschall, nur Brust, nur Tumornachsorge oder nur OPs. Das ist die zweite Gruppe. Wann sollten Frauen einen Spezialisten aufsuchen?
Normalerweise überweist im Bedarfsfall der „normale“ Frauenarzt die Patientin an einen Spezialisten. Ich arbeite zum Beispiel hauptsächlich hausärztlich, bin aber auf Kindergynäkologie spezialisiert. Gibt es einen Verdacht auf Fehlbildungen, Fremdkörper oder sexuellen Missbrauch überweisen Kinderärzte ihre Patientinnen an mich. Es gibt aber auch den Fall, dass Frauen von sich aus einen Spezialisten aufsuchen. Das passiert zum Beispiel immer häufiger, wenn sich der Kinderwunsch nicht erfüllen will. Dafür gibt es dann sogenannte Kinderwunsch-Praxen. Dort werden die Frauen bzw. die Paare umfassend betreut und beraten. Gemeinsam mit den Hebammen betreuen Gynäkologen Frauen vor, während und nach der Schwangerschaft. Wie würden Sie das Zusammenwirken beider Experten beschreiben?
Ich bin selber gelernte Hebamme und habe mich erst später entschieden, Medizin zu studieren. Ich fand, es gehörten einfach mehr Frauen in die Kreißsäle. Zu meiner Zeit als Hebamme waren dort meistens Männer als Ärzte tätig. Das hat mir sowohl als Frau als auch als Hebamme nicht gepasst. Heute hat sich die Situation gewandelt und auch die Arbeit im Kreißsaal ist eine andere geworden: Die Gebährende steht im Mittelpunkt und hat viel mehr Mitspracherechte. Das gefällt mir. Insgesamt finde ich, dass die Arbeit zwischen Frauenarzt und Hebamme heute klar aufgeteilt ist und gut funktioniert – unabhängig vom Geschlecht. Mit welchen Fragen wenden sich Frauen und insbesondere Schwangere immer wieder an Sie?
Frauen werden heute relativ spät schwanger. Viele sind unsicher, ob sie danach noch ein zweites Mal schwanger werden können. Deshalb wird die Schwangerschaft sehr gehütet und gepflegt. Die Erwartungen und der Informationsbedarf sind hoch. Gefragt werde ich vor allem nach Ernährung und Sport in der Schwangerschaft, spreche mit den Schwangeren über ihre Ängste und berate sie, ob und welche Zusatz-Vorsorgeuntersuchungen sie machen sollen. Bei den vorgeschriebenen Vorsorgeuntersuchungen bin ich generell großzügig: Statt der vorgeschriebenen drei Ultraschalluntersuchungen mache ich in der Schwangerschaft alle vier Wochen einen Ultraschall. Wichtig neben dieser technischen Kontrolle sind mir aber auch das genaue Tasten und Schauen, eben die richtige Mischung aus Mensch und Maschine.
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