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Kinder brauchen bei Schmerzen effektive und sichere Hilfe – ohne Alkohol, Laktose und Allergien verursachende Aromen und Farbstoffe.
Im Interview erzählt Kinderarzt Dr. Helmut Wolschner aus Minden, welches Vorbild ihn veranlasst hat, Kinderarzt zu werden, und erklärt, woran Eltern gute Kindermedikamente erkennen.
Herr Dr. Wolschner, wollten Sie schon als kleiner Junge Arzt werden?
Mein Kindertraum war es, Geiger zu werden. Doch das Elend von kranken Kindern ließ mich umdenken. Angeregt von einem Film über Albert Schweitzer und sein aufopferndes Wirken in Lambarene entschied ich mich für den Arztberuf. Wie es der Zufall wollte, war ich später selbst Jahre auf der onkologischen Albert-Schweitzer-Station in der Universitätskinderklinik Münster als wissenschaftlicher Assistent tätig.
Was ist Ihnen bei Kleinkindmedizin wichtig (z. B. ohne Alkohol, laktosefrei, lidocainfrei, praktische Dosierung etc.)?
- Nach genauer Diagnose müssen Nutzen und Risiken der Behandlung abgewogen werden.
- Wichtig sind systematische Dosiervorschriften, z. B. 1 Tropfen pro 3 Kilogramm Körpergewicht und bestimmte Zeit für Lösungen.
- Alle Kindermedikamente sollten Sicherheitsverschlüsse tragen, frei von Alkohol, Milchzucker (Laktose), Allergie auslösenden Aromen (z. B. Erdbeere, Apfel, Kiwi...) und rot-gelben Farbstoffen sein. Oft wirken „natürliche" desinfizierende Mittel wie Silber u. a. neben Pre- und Probiotika zur Immunstimulation bei Infektionen ausreichend.
- Die Ursachentherapie muss möglichst Vorrang vor Symptombehandlung haben.
- Zahnungshilfen mit Betäubungsmitteln (z. B. Lidocain) können zu oft – weil die Kinder schreien – auf Mundschleimhäute aufgetragen und dabei überdosiert werden. Dann beißen sich die Kinder ohne Schmerzwarnung in ihre Wangen oder auf die Zunge. Es gibt Alternativen. Kinder brauchen bei Schmerz effektive und sichere Hilfe!
Sie haben eine sehr gut und übersichtlich gestaltete Website mit guten Ratschlägen für Eltern. Welche Bereiche sind Ihnen sehr wichtig?
Täglich besuchen 50 interessierte Eltern und Ärzte meine Homepage. Zusatzfragen beantworte ich häufig telefonisch. Mein Ziel ist es, wichtige Hilfen und Erklärungen für die Babyzeit, für Infektionen, Impfungen, atopische Dermatitis, Asthma, häufige Immun- und Stoffwechselerkrankungen, orthopädische, neurologische und urologische Entwicklungsstörungen und ADHS/ADS knapp und übersichtlich zu geben. Dabei geht es mir um einen Ausblick in zukünftige Therapie, Umsetzung moderner Forschungsergebnisse.
Wie sollte ein guter Beipackzettel zu Kindermedizin gestaltet sein?
Die Beipackzettel sollten diese Punkte groß abbilden:
- den internationalen Medikamentennamen und die vollständige Liste der Zusätze,
- eine übersichtliche Dosieranleitung nach Körpergewicht (und nicht Alter),
- wichtige Verbote, das Mittel anzusetzen.
In der jetzigen Form sind die Beipackzettel oft eine unzumutbare Belastung: Wesentliche Informationen sind schwer zu finden, die Liste der extrem unwahrscheinlichen, zu Folgeschäden führenden Nebenwirkungen hält viele Eltern von der notwendigen Behandlung ihres Kindes ab. Das Absetzen des vom Arzt verschriebenen Medikaments führt zu einer größere Gefährdung des Kindes und kann zu einer stationären Notaufnahme in die Klinik führen.
Haben Sie noch einen allgemeinen Tipp für junge Eltern?
Junge Eltern sollten nicht auf Werbung und gut gemeinte Ratschläge des Internets, der Bekanntschaft oder Verwandtschaft unkritisch hereinfallen. Hören Sie auf Ihr Herz! Beobachten Sie das Verhalten Ihres Kindes: Spielt es vergnügt? Trinkt es gut? Scheidet es normal aus? Messen Sie Atmung, Puls pro Minute und Fieber im Po (dort ist es sicherer). Wenn Sie sich unsicher fühlen, können Sie sich jederzeit an lhren Kinder- und Jugendarzt wenden.
Kurzportrait
Dr. Helmut Wolschner ist Facharzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin und behandelt in seiner Praxis in Minden seit September 1984 Privat- und Kassenpatienten. Herr Dr. Wolschner ist Herausgeber zahlreicher Veröffentlichungen und Schriften. Er nimmt aktiv an internationalen Studien und Fortbildungen der Pädiatrie teil.
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