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Ein vertrauensvolles Verhältnis zum Kinderarzt bietet Gelassenheit und Selbstsicherheit
Im Interview erklärt Kinder- und Jugendarzt Dr. Burkhard Ruppert, was er von Eltern-Olympiaden hält, und rät zu mehr Ruhe und Gelassenheit bei der Kinder-Förderung.
Herr Dr. Ruppert, wollten Sie schon als Kind Arzt werden, wenn Sie einmal groß sind?
Nein, überhaupt nicht. Als kleiner Junge wollte ich Feuerwehrmann oder Lokomotivführer werden. Was man als Kind eben werden will. Vor Ärzten hatte ich damals eher Angst: die vielen Metallinstrumente, der weiße Kittel, die Lampe, die stattliche Figur unseres Arztes – aus kindlicher Perspektive fand ich das sehr Respekt einflößend. Den Respekt vor dem Beruf des Arztes habe ich behalten. Der ist sogar eher gewachsen.
Warum sind Sie Kinderarzt geworden?
Dass ich selbst Kinderarzt wurde, hat sich dann erst im Studium ergeben. Zuerst habe ich Humanbiologie studiert mit dem Wunsch, in die Forschung zu gehen. Mein Professor hat mir dann geraten, für dieses Ziel auch ein „normales“ Medizinstudium aufzunehmen. Über das Medizinstudium habe ich dann langsam die Forschung aus den Augen verloren. Nach meiner Famulatur, also dem vorgeschriebenen Praktikum für Mediziner, im Kinderkrankenhaus Park Schönefeld in Kassel war dann klar: Ich werde Kinderarzt. Heute bin ich sehr froh darüber. Als Kinderarzt ist man Generalist –im Gegensatz zum Forscher, der hoch spezialisiert ist.
Die offizielle Berufsbezeichnung von Ihnen und Ihren Kollegen lautet Kinder- und Jugendarzt. Was sind die wichtigen Themen bei Ihren ganz kleinen Patienten?
Als Arzt von Säuglingen und Kleinkindern hat man vor allem mit zwei Themen zu tun: Ernährung und Entwicklung. Die „Olympiade der Eltern“, wie ich es nenne, kann sehr viel Unsicherheit auslösen: Muss mein Kind mit drei Jahren zu Frühenglisch? Warum kann der Säugling auf dem Spielplatz schon krabbeln, aber meins noch nicht? So gesehen ist man auch Psychologe für die Eltern, der ihnen vor Augen führt, welche enormen Entwicklungsschritte Säuglinge und Kleinkinder bewältigen. Ein wirklich empfehlenswertes Buch zu diesem Thema stammt übrigens von Professor Remo Largo und heißt „Babyjahre“.
Und was ist bei der Behandlung von Jugendlichen aus Ihrer Sicht von besonderer Bedeutung?
Die Jugendmedizin mit ihren spezifischen Anforderungen ist erst in den letzten 15 Jahren von unserer Fachgruppe entdeckt worden: Jugendliche haben spezielle Fragen, damit gehen spezielle ärztliche Aufgaben einher. Mir persönlich ist es wichtig, die Jugendlichen schon als Kind zu behandeln. Dann fällt es später leichter, sie in der Pubertät bei ihrer Suche nach der eigenen Mitte zu unterstützen: Bin ich zu dick? Bin ich zu dünn? Bin ich groß genug? Wie stehe ich zu Alkohol, Nikotin und Drogen? Das sind Themen, die Jugendliche beschäftigen und über die ich mit meinen jugendlichen Patienten überraschend offen sprechen kann.
Wie sieht Ihr Berufsalltag in Ihrer Praxis in Berlin-Waidmannslust eigentlich genau aus? Was sind Ihre vornehmlichen Aufgaben?
Zu 70 bis 80 Prozent sind wir hier mit Prävention beschäftigt, also Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen für Säuglinge, Kleinkinder und Jugendliche. Das ist, denke ich, repräsentativ für alle Kinderärzte. Für mich ist das das Schöne an unserem Beruf: dass wir anfangen zu arbeiten, bevor etwas Schlimmes passiert. Die restlichen 20 bis 30 Prozent entfallen auf Infekte, Allergien, oder andere eher seltene Erkrankungen.
Haben Sie zum Schluss noch einen speziellen Tipp für Eltern auf Lager?
Suchen Sie sich einen Kinderarzt, dem Sie wirklich vertrauen und nutzen Sie dieses Vertrauen. Es bringt nichts, sich durch das Internet oder gut gemeinte Ratschläge aus dem Umfeld verunsichern zu lassen. Über die vielen Einträge bei Google zu Impfrisiken oder die teilweise zahlreichen Nebenwirkungen bei Medikamenten verlieren Eltern manchmal das aus ärztlicher Sicht wichtigste aus den Augen: Die Impfung oder das Medikament geht zwar mit einem Risiko einher. Dieses Risiko hat aber der Arzt genau kalkuliert und es ist in jedem Fall um ein Vielfaches geringer als das Risiko, das Eltern eingehen, wenn sie auf eine vom Arzt empfohlene Impfung oder ein verschriebenes Medikament verzichten.
Kurzportrait
Dr. Burkhard Ruppert hat seit 17 Jahren, zusammen mit Peter Bödeker, eine Kinderarztpraxis in Berlin-Waidmannslust. Er ist selbst Vater von zwei Kindern. Beruflich wie privat liebt er die Bewegung und widmet sich gerne neuen Aufgaben. Derzeit ist er u.a. Mitglied der Ethik-Kommission des Landes Berlin, die über die Vertretbarkeit von medizinischen Studien entscheidet.
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