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Auch Väter müssen sich auf die Geburtsstunden vorbereiten
Im Interview erklärt Dr. Michael Abou-Dakn, warum es so wichtig ist, dass Männer nach der Geburt mitdenken und wie sich die neue Rolle von Vätern definieren lässt.
Herr Dr. Abou-Dakn, Sie sind Chefarzt der Gynäkologischen-Geburtshilflichen Abteilung des St. Josephs-Krankenhauses Berlin und Erster Vorsitzender der WHO-Unicef-Initiative "Babyfreundliches Krankenhaus". Was macht aus Ihrer Sicht eine babyfreundliche Klinik aus?
Die Anforderungen an ein babyfreundliches Krankenhaus sind weitreichend. Der dahinterstehende Anspruch ist, dass die Eltern-Kind-Beziehung gestärkt wird. Den Kontakt und die Bindung zwischen den Eltern und ihrem Neugeborenen zu fördern, steht deshalb – neben den medizinisch notwendigen Aspekten – im Fokus. Man versucht alte Fehler zu vermeiden: Deshalb achtet man heute darauf, dass Mutter und Kind sofort nach der Geburt Hautkontakt bekommen – oder alternativ: Vater und Kind.
Sie sind selbst Vater und Herausgeber des Buches "Vater werden ist nicht schwer?". Aus Sicht eines Mediziners und Vaters: Welche Rolle spielen Männer beim Thema Geburt?
Die Geburt des eigenen Kindes ist eine wesentliche Lebenserfahrung und der Partner ist ein wichtiger Begleiter für die Frau. Daher ist es schön, wenn Paare die Geburt ihres Nachwuchses gemeinsam erleben. Auch nach der Geburt ist der Mann gefragt und kann seine Frau unterstützen. Eine Frau, die stillt, ist zum Beispiel vergesslich. Dann ist es wichtig, dass der Mann für sie „mitdenkt“.
Wichtig ist aber, dass der Mann seine Rolle während der Geburt klar definiert. Das heißt, Männer sollten sich auf die Geburt vorbereiten. Ohne Vorbereitung kann eine Geburt beängstigend wirken. Dann kann es passieren, dass Männer ihre Ängste oder auch den Wunsch, ihre Partnerin zu beschützen, durch Aggressionen kompensieren. Das ist wenig hilfreich. Aus diesem Grund bietet unser Krankenhaus beispielsweise auch spezielle Vorbereitungskurse für Männer. Dort geht es weniger darum, spezielle Wickeltechniken zu lernen, sondern darum, offen über eventuell mit der Geburt verbundene Ängste zu sprechen – allein unter Männern.
Ist die Anwesenheit von Vätern im Kreißsaal heute ein Muss? Was unterscheidet werdende Väter heute von früheren Generationen?
Ein „Muss“ sollte die Anwesenheit im Kreißsaal keinesfalls sein, sondern eine selbstbewusste Entscheidung. In der Regel sind Männer heute besser informiert und möchten sich vor, während und nach der Geburt gleichberechtigt einbringen. Damit Männer und Frauen berufstätig sein und gleichzeitig Kinder haben können – muss sich die Gesellschaft aber noch entscheidend weiterentwickeln. Nur dann können Männer wirklich eine neue Rolle einnehmen.
Welchen Tipp möchten Sie Vätern ganz allgemein mit auf den Weg geben?
Fragen stellen. Nachhaken. Offen über die eignen Gedanken sprechen. Das ist das Wichtigste.
Kurzportrait
Dr. Michael Abou-Dakn ist Chefarzt der Gynäkologischen-Geburtshilflichen Abteilung des St. Josephs-Krankenhauses Berlin und Erster Vorsitzender der WHO-Unicef-Initiative "Babyfreundliches Krankenhaus" sowie männlicher Laktationsberater.
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