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Hier gibt es Ernährungstipps vom Experten für Kinderbäuche Professor Michael Radke.
Weniger ist mehr, findet Professor Michael Radke aus Potsdam: Wer seinen Kindern nur wenig Fruchtzucker gibt und auf lange Autofahrten verzichtet, tut mehr Gutes für ihre Entwicklung als es Vitaminpillen und Flugreisen vermögen, sagt der Experte für Kindergesundheit im Interview.
Herr Professor Radke, Sie sind Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizim am Ernst von Bergmann Klinikum in Potsdam. Was unterscheidet ein Krankenhaus für Kinder von einem für Erwachsene?
Wie man immer so schön sagt: Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Für ein Krankenhaus heißt das, dass die unterschiedlichen Alters- und Entwicklungsstufen der kleinen Patienten beachtet und die medizinischen Maßnahmen daran angepasst werden müssen. Das zeigt sich dann zum Beispiel an der Einrichtung der Kinderstation, aber auch am Umgang des Personals mit den Kleinen. Kinder haben etwa ein Recht auf schmerzfreie Behandlung. Um die zu garantieren, benötigt man auf einer Kinderstation mehr Personal und mehr Zeit für das einzelne Kind.
Kinder haben häufig Bauchweh. Als Spezialist für Kindergastroenterologie ist der Magen-Darm-Trakt Ihr Steckenpferd. Woran liegt es eigentlich, dass Kinder hier öfter Beschwerden haben? Wie erkennt man, wenn etwas Gravierenderes dahinter steckt?
Das ist eine wichtige Frage. In der Tat sind Bauchschmerzen ein häufiges Symptom bei Kleinkindern und Schulkindern. In rund 85 Prozent der Fälle steckt dahinter aber keine Krankheit, sondern eine sogenannte Funktionsstörung. Ein wichtiger Grund dafür sind Ernährungsfehler. Viele Eltern geben ihren Kindern unwissentlich zu viel Fruchtzucker. Die Menge an Obst, Saft und Fertigprodukten mit Fruchtzucker, wie zum Beispiel Ketchup, schlägt den Kindern im wahrsten Sinne „auf den Magen“. Auch in der Fachwelt wird Fruchtzucker als Ursache für Beschwerden häufig übersehen. Statt die Ernährung umzustellen, werden nicht selten aufwendige diagnostische Maßnahmen durchgeführt. Noch mal: Bauchweh kann, muss aber nicht die Ursache einer Krankheit sein. Wenn das Kind allerdings nicht nur über Bauchschmerzen klagt, sondern unter Blässe, Gewichtsverlust, Abgeschlagenheit oder Problemen mit dem Stuhlgang leidet, sollten die Eltern unbedingt Ihren Kinderarzt aufsuchen.
Was ein Kind essen soll und was nicht, dazu hat fast jeder etwas zu sagen. Wenn Eltern das Thema Ernährung am Herzen liegt, können sie bei so vielen Ratschlägen leicht mal den Überblick verlieren. Gibt es nicht so etwas wie die goldene Regel für Kinderernährung?
Wichtig ist, dass ein Kind geregelte Mahlzeiten bekommt. Die Mahlzeiten in der Familie sollten nicht nur den Energie- und Nährstoffbedarf des Kindes decken, sondern im Sinne eines kulturellen Ereignisses die ganze Familie jeden Tag pünktlich zu bestimmten Zeiten zusammenführen. Vor allem das Frühstück ist für Kinder wichtig. Ansonsten sollten Kinder vitamin- und abwechslungsreich essen mit Obst und viel Gemüse und wenig Fleisch. Kinder trinken viel. Am besten ist, sie bekommen Wasser. Säfte und andere kalorienreiche Getränke haben keine Vorteile – im Gegenteil sie können wegen ihres Fruchtzuckergehalts zu Bauchschmerzen führen. . Für Süßigkeiten sollten Eltern eine Regel aufstellen, wie z. B. Süßigkeiten gibt es immer nur montags und freitags.
Und gibt es umgekehrt Fehler oder Missverständnisse bei der Ernährung von Kindern, die sich nachhaltig halten?
Die gibt es ganz klar. Viele Eltern kaufen ihren Kindern beispielweise extra Multivitaminsaft, um ihren Vitaminbedarf zu decken. Andere besorgen sich sogar Vitaminpillen. Das ist völlig überflüssig. Eine gesunde Mischkost mit viel Gemüse deckt den Nährstoffbedarf von Kindern. Gefährlich sind auch die kleinen Riegel, die im Supermarkt an der Kasse liegen, damit Kinder so lange betteln, bis sie etwas bekommen. Die sind so voller Zucker und Fett, da ist eigentlich jeder Riegel zu viel.
Welchen ganz allgemeinen Tipp möchten Sie jungen Familien mit auf den Weg geben?
Weniger ist mehr. Das betrifft die Ernährung, aber auch andere Dinge. Man muss zum Beispiel nicht mit seinen Kleinkindern nach Mallorca fliegen. Wer mit seinen Kindern fliegt, sollte wissen, dass er seine Kinder dort in der Höhe einer unnötigen Strahlenbelastung aussetzt. So gesehen entspricht die Reise nach Mallorca u.U. zwei Röntgenbildern. Auch lange Autofahrten sind aus physiologischer Sicht wegen des langen Sitzens nicht zu empfehlen. Da ist es empfehlenswerter lokale Angebote für Kinder wahrzunehmen und sich viel mit ihnen gemeinsam an der frischen Luft zu bewegen.
Kurzportrait
Prof. Dr. Michael Radke ist Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Ernst von Bergmann Klinikum in Potsdam. Als Kongresspräsident hat er die diesjährige 106. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin in Potsdam geleitet.
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