Beim Eltern-Werden einfach auf die Intuition verlassen!
Im Interview verrät Hebamme Heike Köster, wie ihr Tag abläuft, wie man eine gute Hebamme findet und was bei der Klinikwahl zählt.
Frau Köster, Sie sind Hebamme. Bitte beschreiben Sie uns doch einen für Ihren Beruf typischen Tagesablauf!
Mein Tag beginnt morgens um acht und dauert gewöhnlich bis 20, 21 Uhr. Den Vormittag reserviere ich mir für Wochenbettbesuche. Dann komme ich zur frisch gebackenen Familie nach Hause, sehe dort nach dem Rechten, beantworte Fragen zur Säuglingspflege, helfe bei Stillen und untersuche Mutter und Kind. Zusätzlich gehören Erstgespräche und Vorsorgeuntersuchungen bei Schwangeren zu meinem Job. Mir ist dabei vor allem wichtig, dass ich mir für jede Frau viel Zeit nehmen kann. Vor allem das erste Gespräch dauert oft bis zu zwei Stunden. Ich möchte, dass sich die Frauen mit mir wohl fühlen. Deshalb komme ich auch zu ihnen nach Hause. In der vertrauten Umgebung können sie leichter über Fragen und Unsicherheiten sprechen. Aber natürlich kann immer eine Geburt meinen „normalen“ Tagesablauf durcheinanderbringen. In der letzten Woche waren es sechs Geburten in sieben Tagen. Das ist dann ganz schön viel!
Ist solch ein Tag typisch für alle Hebammen oder gibt es Unterschiede?
Es gibt große Unterschiede. Einige Hebammen machen zum Beispiel keine Geburten, sondern haben sich ganz auf die Wochenbettbetreuung spezialisiert. Diese Hebammen betreuen dann meistens mehr Frauen zeitgleich als etwa ich.
Mit welchen Fragen wenden sich Frauen an Sie?
Mit ganz unterschiedlichen Fragen. Frauen, die schon ein Kind haben, fragen mich zum Beispiel oft, ob sie Zwillinge bekommen. Sie können sich nicht vorstellen, dass in ihrem riesigen Bauch nur ein Kind steckt. Aber das ist normal: Der Bauch ist beim zweiten Kind oft größer als der beim ersten. Aber nicht nur von Frauen werde ich ausgefragt. Auch werdende Papas wenden sich an mich. Sie wollen vor allem wissen, wie sie Ihre Partnerin während der Geburt am besten unterstützen können.
Zu welchem Zeitpunkt und nach welchen Kriterien sollten sich Schwangere eine Hebamme aussuchen?
Viele Frauen sind gerade zu Beginn der Schwangerschaft unsicher. Auch die ersten Untersuchungen beim Gynäkologen werfen viele Fragen auf. Deshalb empfehle ich, die Hebamme schon früh zu kontaktieren: ab der 12. Schwangerschaftswoche etwa. So kann die Hebamme die werdende Mutter von Anfang an unterstützen und ihr Sicherheit geben. Und es bleibt genug Zeit, um ein echtes Vertrauensverhältnis bis zur Geburt aufzubauen. Vertrauen und Sympathie sind auch die wichtigsten Entscheidungskriterium bei der Wahl der Hebamme. Auf die Empfehlung von Freundinnen kann man sich fast immer verlassen: Unter Freundinnen kennt man sich gut und kann leicht einschätzen, ob die Chemie zwischen Hebamme und Schwangerer stimmt.
Gibt es auch Frauen mit Kinderwunsch, die Sie kontaktieren? Können Sie denen Tipps geben, wie sie leichter schwanger werden?
Ja, das passiert immer häufiger. Bevor ich den Frauen Tipps gebe, suche ich nach den Gründen für das Ausbleiben der Schwangerschaft. Auf Grundlage dessen, was ich über die Beziehung, die Familienanamnese und den Hormonstatus erfahre, berate ich. Oft helfen schon homöopathische Mittel.
Wie finde ich den richtigen Geburtsort für mich?
Diese Frage beschäftigt die meisten Schwangeren sehr. Ob sie unbedingt oder auf keinen Fall in einer Klinik entbinden wollen, wissen die meisten Frauen intuitiv. Wenn diese Grundsatzentscheidung gefallen ist, rate ich den Frauen, sich die verschiedenen Kreißsäle, Geburtshäuser usw. zeigen zu lassen. Wer ein Kind gebärt, sollte sich am Geburtsort unbedingt wohlfühlen. Die Entscheidungsgewalt liegt bei der Frau – nicht beim Arzt, der Hebamme oder dem Partner.
Was halten Sie von sogenannten Hausmitteln?
Ich finde es schade, dass gerade bei „natürlichen Heilmitteln“ so viel Wissen verloren geht. Dabei reichen natürliche oder homöopathische Mittel oft schon aus, um die Selbstheilkräfte des Körpers zu stärken. Ich kenne auch einige Apotheken, die sich dahingehend spezialisiert haben. Der zweite Schritt und dritte Schritt sind dann die sanfte und die normale Schulmedizin.
Mit Fragen zu Schwangerschaft, Säuglingspflege und Stillen beschäftigen sich unterschiedliche Experten. Wie würden Sie das Verhältnis von Frauenärzten, Kinderärzten, Hebammen und Apothekern beschreiben? Welche Hilfe darf die junge oder werdende Mutter wo erwarten?
Schön, dass Sie das ansprechen. Die unterschiedlichen Gruppen sehen sich oft gegenseitig als Konkurrenten. Das finde ich grundfalsch. Schließlich hat jede Gruppe ihr spezielles Expertenwissen. Ich als Hebamme verstehe mich zum Beispiel in erster Linie als Mediatorin, die zwischen dem medizinischen Wissen der Fachärzte und den Unsicherheiten der jungen Eltern vermittelt.
Viele Eltern sind unsicher, was ihrem Baby am besten tut. Worauf sollten Eltern bei der Auswahl von Pflegeprodukten, Babynahrung und Arzneimitteln achten?
Wichtig ist, dass die Produkte bewährt und getestet sind. Informationen dazu können Eltern leicht in Ratgebermedien, bei Ökotest und im Internet finden. Im Prinzip sind die Vorgaben in Deutschland aber so streng, dass man sich über die Produktqualität keine großen Sorgen machen muss. Persönlich finde ich, dass die soziale Verantwortung eines Unternehmens eine entscheidende Rolle spielt. So gesehen, kann ich leider nicht alle Baby-Produkte empfehlen.
Welchen Rat möchten Sie jungen Eltern ganz allgemein mit auf den Weg geben?
Im Prinzip gibt es beim Eltern-Werden nicht viel zu verstehen. Junge Eltern sollen sich einfach auf ihre Intuition verlassen. Das reicht eigentlich. Der Rest ergibt sich dann.
Kurzportrait
Heike Köster arbeitet seit 28 Jahren als Hebamme in Berlin und Brandenburg. Sie hat insgesamt mehr als 3.700 Kinder auf die Welt gebracht, zwei davon sind ihre eigenen. Ihren Job liebt sie, weil sie als Hebamme viele sehr unterschiedliche Menschen kennenlernt. Durch den Austausch mit Anderen sammelt sie ständig neue Erfahrungen und lernt immer wieder etwas Neues.
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