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Bei ihrer ersten Geburt musste Hebammenschülerin Farzaneh Etessamit vor Rührung weinen
Im Interview erzählt Farzaneh Etessamit von ihrer Ausbildung zur Hebamme, erklärt, was ein Storchenwagen ist, und empfiehlt jungen Eltern, Ratschläge auch mal zu überhören.
Frau Etessami, Sie sind Hebammenschülerin. Was reizt Sie an diesem aufwendigen Beruf mit „unruhigen Arbeitszeiten“?
Hebamme zu sein hat mich schon immer gereizt. Schließlich nimmt man als Hebamme an einem ganz besonderen Moment im Leben eines Menschen Anteil. Viele Frauen erleben die Geburt als extremen Glücksmoment und es ist wunderbar, ihnen genau dann zur Seite zu stehen. Aber auch in der Zeit vor und nach der Geburt ist die Begleitung durch die Hebamme wichtig. Ich möchte Frauen bestärken und ihnen ihre Ängste nehmen.
Was sollte eine gute Hebamme mitbringen bzw. können?
Es gibt in Deutschland 58 Hebammenschulen. Die Ausbildung dauert drei Jahre und umfasst Ausbildungsblöcke auf der Wochenbettstation, in der Schwangerenberatung, im Kreißsaal, auf der präpartalen Station, in der Gynäkologie, auf der Kinderstation und im OP-Saal. Während der Ausbildung werden künftige Hebammen darauf vorbereitet, Situationen zu erkennen und in ihnen handeln zu können. Neben den Fachkenntnissen, die während der Ausbildung vermittelt werden, sind vor allem auch soziale Fähigkeiten gefragt: Als Hebamme darf man keine Berührungsängste haben und man sollte urteilsfrei auf Menschen zutreten. Als Hebamme wird man immer wieder mit Situationen konfrontiert, die man selbst nicht versteht. Mir geht das zum Beispiel so, wenn ich sehe, wie junge Mütter sofort nach der Geburt rauchen oder sich gegen das Stillen entscheiden, obwohl es bei ihnen gut klappt. Aber in diesen Situationen geht es darum, akzeptieren zu lernen und nach Hintergründen zu fragen.
Wie haben Sie Ihre erste Geburt erlebt?
Meine erste Geburt habe ich 2003 während eines Praktikums erlebt. Damals wurde die Frau mit einem Storchenwagen gebracht. Das war ein Wagen der Feuerwehr, der speziell für Geburten ausgerüstet war. Die Geburt damals ging auch wahnsinnig schnell. Als die Frau im Krankenhaus eingeliefert wurde, konnte man das Köpfchen sogar schon sehen. Das Miteinander der Eltern nach der Geburt zu beobachten hat mich damals unglaublich gerührt. Das war so schön. Da musste ich dann wirklich auch weinen.
Auf was freuen Sie sich bei Ihrem späteren Beruf am meisten?
Ich wünsche mir, dass ich später so arbeiten kann, wie ich es mir vorstelle. Das heißt, dass ich eher nicht in einem großen Kreißsaal arbeiten möchte. Ich wünsche mir, dass ich Frauen individuell bei der Geburt betreuen kann. Kurz gesagt: Ich freue mich darauf, dass ich keinen „Dienst nach Plan“ machen werde.
Haben Sie zum Abschluss noch einen Tipp für werdende Eltern?
Zu viele Menschen sagen zu viele Dinge. Das beginnt spätestens im Kreißsaal und setzt sich auf der Wochenbettstation fort. Von den unterschiedlichen Meinungen zwischen Ärzten, Krankenschwestern und Hebammen sollen sich Eltern bloß nicht verunsichern lassen. Besser ist es, Schwierigkeiten in Ruhe mit nur einer Person zu besprechen und dann mit ein bisschen Geduld zu warten, dass sich die Anfangsprobleme nach und nach in Wohlgefallen auflösen.
Kurzportrait
Farzaneh Etessami besucht seit zwei Jahren die Hebammenschule des Vivantes-Klinikum Neukölln. Eine Geburt der etwas anderen Art hat sie während der Fußball-EM erlebt. Damals stellte der werdende Vater einen Mini-Fernseher auf und sagte zu seiner Frau: „Ich hab dir doch gesagt, warte bis Deutschland gespielt hat!“
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