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Den eigenen Nachwuchs ließ Professor Stephan trotzdem von Kollegen behandeln.
Im Interview erklärt Professor Stephan, warum bei kleinen Patienten die Genesung von mehr abhängt als von der richtigen Diagnose und Behandlung.
Herr Professor Stephan, privat sind Sie u.a. Lieblingsvater Ihrer Kinder. Wie wird man das?
Lieblingsvater wird man, indem man viel mit seinen Kindern spricht und sich Zeit für sie nimmt, qualitative Zeit. Zwei intensive, gemeinsame Stunden sind wertvoller als bloßes Dasein. Das ist mir sehr wichtig. Davon abgesehen wird natürlich jeder automatisch Lieblingsvater oder Lieblingsmutter seiner Kinder.
Von Beruf sind Sie heute Chefarzt der Klink für Kinder- und Jugendmedizin Lindenhof in Berlin. Stimmt Ihre frühere Vorstellung vom Beruf des Kinderarztes mit Ihrem heutigen Berufsalltag als Arzt überein?
Geblieben ist sicherlich die Liebe zu Kindern. Sie hat mich bewogen, Kinderheilkunde zu studieren. Aber ansonsten stimmt längst nicht alles mit dem überein, wie ich mir als 16- oder 17-Jähriger die Arbeit als Kinderarzt vorgestellt habe.
Wo gibt es Unterschiede?
Dadurch, dass ich eine Kinderklinik leite, hat zum Beispiel mehr als die Hälfte meiner Aufgaben nicht direkt mit Medizin zu tun. Und auch von den typischen Aufgaben eines Kinderarztes hatte ich als Jugendlicher falsche Vorstellungen. Ich dachte, man erstellt eine Diagnose, dann kommt die Behandlung und am Ende ist das Kind gesund. Das ist natürlich viel zu mechanistisch gedacht! Dass auch die Eltern bei der Behandlung von kleinen Patienten eine wichtige Rolle spielen und miteinbezogen werden müssen, ist mir zum Beispiel erst später klar geworden.
Außerdem leiten Sie das Zentrum für Sozialpädiatrie. Was versteht man darunter genau?
Das Zentrum für Sozialpädiatrie ist für chronisch kranke Kinder, Kinder mit Entwicklungsstörungen und geistig oder körperlich behinderte Kinder. Dort bekommen sie eine ganzheitliche Betreuung. Dort arbeiten also nicht nur Ärzte und Krankenschwestern, sondern auch Ergotherapeuten, Logopäden, Ernährungsberater und viele mehr, so dass Eltern alle notwendigen Therapien für ihre Kinder unter einem Dach vereint finden.
Verändert sich das Verhältnis zum eigenen Beruf, wenn man selber Kinder hat?
Ja, natürlich verändert sich dann das Verhältnis zum Arztberuf und besonders zu den Eltern der eigenen Patienten. Wer selbst Kinder hat, wird feststellen, dass man als Mama oder Papa deutlich emotionaler auf alles reagiert, was mit den eigenen Kindern zu tun hat. Deshalb habe ich es auch immer vermieden, meine eigenen Kinder zu behandeln. Sie haben nie eine Impfung von mir bekommen. Selbst Blut habe ich ihnen nicht selbst abgenommen.
Haben Sie noch einen allgemeinen Tipp für andere junge Väter?
Das wichtigste ist, Zeit mit seinen Kindern zu verbringen – selbst wenn sie noch ganz klein sind. Denn auch wenn die Kinder das nicht sagen, sind sie für diese positive Zuwendung dankbar – ein Leben lang. So entsteht ein Vertrauensverhältnis, das bis ins Erwachsenenalter hält.
Kurzportrait
Prof. Dr. med. Volker Stephan ist Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Lindenhof am Sana Klinikum Lichtenberg in Berlin und leitet das Zentrum für Sozialpädiatrie. Er hat zwei Kinder im Alter von 19 und 23 Jahren.
Lebensmotto?
Oh Gott, ich hab gar keins. Zeit, sich eines zu suchen!
Perfekter Start in den Tag?
An der Seite meiner Frau mit einem heißen Kaffee.
Mit welcher Person würden Sie sich gerne mal einen ganzen Abend unterhalten?
Mit Albert Einstein. Er verbindet naturwissenschaftliche und philosophische Fragen. Das ist enorm spannend.
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