Über Mammut
„Wer nicht hilft, kommt nicht rein!“ |
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Wenn es während der Schwangerschaft oder der Geburt kompliziert wird, braucht man Krankenschwestern wie Sabine Salinski.Im Interview erzählt Krankenschwester Sabine Salinski von Frauen, bei denen während der Schwangerschaft oder Geburt medizinisch nicht alles glatt läuft, und darüber, wie die Freude über die ersten Tropfen mühsam gewonnener Muttermilch verbindet. Frau Salinski, Sie arbeiten als Krankenschwester im Sankt Joseph Krankenhaus. Auf welcher Station sind Sie und was machen Sie dort tagtäglich?Als Krankenschwester gehöre ich zur Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe. Ich arbeite allerdings nicht auf der Wöchnerinnenstation, wo die Mütter und Neugeborenen liegen, bei denen alles ganz normal und glücklich verlaufen ist. Wir betreuen auf unserer Station Frauen mit Komplikationen während der Geburt und Mütter, deren neugeborene Kinder auf der Intensivstation bzw. der Neonatologie liegen müssen.Was sind die besonderen Herausforderungen und was sind die besonders schönen Momente in Ihrem Arbeitsalltag?Meine Arbeit konfrontiert mich eher mit den schwierigen Aspekten von Schwangerschaft und Geburt. Das muss man sich grundsätzlich klar machten: Die Mehrheit, das sind die anderen, die wir nicht sehen. Die Frauen, die wir betreuen, sind psychisch angespannt, machen sich Sorgen, haben Ängste und teilweise starke – wenn auch immer unbegründete – Schuldgefühle. In dieser Situation ist es schwierig, mit Ratschlägen zu den Müttern durchzudringen. Das gilt übrigens auch für die Väter.Die schönen Momente sind umgekehrt, wenn uns die Mütter mit ihren Kindern noch mal besuchen, nachdem sie aus dem Krankenhaus entlassen sind. Oder zu beobachten, wie sich die Frauen gegenseitig positiv aufbauen und unterstützen. Um den ersten Tropfen Milch musste eben jede kämpfen und wenn dann nach ein paar Tagen mühseligen Ausstreichens und Abpumpens das erste Mal ein kleines Fläschchen voll ist, ist das schon ein tolles Erfolgserlebnis, das geteilt wird. Ihre Station und ihr Krankenhaus machen sich stark für das Konzept „babyfreundliches Krankenhaus“. Was heißt das für Ihren Berufsalltag?Bei uns wird das Thema Stillen sehr ernst genommen. Auch wenn Mutter und Kind nach der Geburt getrennt werden, weil das Kind auf der Intensivstation bleiben muss, geht es für uns vor allem darum, die Frauen zu mobilisieren und motivieren: Raus aus dem Bett, runter zum Kind auf die Station, Brust ausstreichen, abpumpen.Was verstehen Sie persönlich unter dem familienzentrierten Pflegekonzept?Ich finde, man sollte nicht zu dogmatisch ans Stillen herangehen und die Bedürfnisse der Mutter nicht vergessen. Deshalb würde ich zwischen babyfreundlich und familien- bzw. frauenfreundlich unterscheiden. Ich erlebe häufig, dass die Frauen auf unserer Station durch die Komplikationen während der Schwangerschaft oder Geburt traumatisiert oder auch körperlich am Ende sind. Aber das Wohl des Kindes steht für sie natürlich über dem eigenen. Der soziale Druck verstärkt diese Empfindung. Dadurch geht die Mutter als Patientin manchmal etwas unter. Ich persönlich fände gut, wenn die Frauen auf unserer Station etwas vehementer ihren Anspruch auf Schlaf, Ruhe und Intimität einforderten. Die Anstrengungen der Anfangszeit mit Kind sind bei uns ja potenziert: Der Krankenhausalltag kann leider niemals die Intimität des eigenen Zuhauses bieten. Um beim Kind zu sein, muss die Mutter ständig die Station und das Stockwerk wechseln. Das schlaucht. Aber letztlich ist die Anstrengung auch wichtig. Denn bei der Muttermilch gilt: Die Nachfrage bestimmt das Angebot.Welchen Rat möchten Sie Eltern mit auf den Weg geben?Als Krankenschwester etwas Allgemeines zu raten, geht eigentlich nicht. Aber wenn ich mich an meine erste Zeit mit Kind erinnere, dann würde ich sagen: Hüten Sie sich vor der Meinung anderer! Und: Wer nicht hilft, kommt nicht rein! Wer das gegenüber Großeltern, Freunden und Nachbarn durchsetzt, dem gratuliere ich!
Sabine Salinski ist ausgebildete Krankenschwester und arbeitet seit 1992 im Sankt-Joseph-Krankenhaus Berlin. Mit ihrer eigenen Tochter hat sie schon 16 tolle, prägende Jahre erlebt, die ihr das beruhigende Gefühl geben, nicht alles falsch gemacht zu haben. |








