Geburt: Wir Frauen schaffen das |
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Katrin Braun hat es am eigenen Leib erfahren: Die Grenzen von Frauen sind weiter als sie denken.
Frau Braun, Sie sind schwanger. Hat sich Ihr Leben seit dem ersten Termin beim Frauenarzt verändert?
Natürlich. Eine Schwangerschaft ändert einiges – vor allem körperlich. Insbesondere die ersten 12 Wochen waren anstrengend für mich, da ich unter Übelkeit gelitten habe. Seitdem ich schwanger bin, schone ich mich mehr, ruhe ich mich öfter aus. Insgesamt bin ich emotionaler geworden: In Gedanken bin ich häufig in der Zukunft und frage mich, wie alles werden wird, wenn mein Baby geboren wird. Sie sind zum zweiten Mal schwanger. Erleben Sie Ihre zweite Schwangerschaft anders als die erste?
Ja, die zweite Schwangerschaft erlebe ich anders als die erste. Sie ist weniger aufregend für mich, da mir die Vorgänge, Empfindungen und Veränderungen des Körpers bekannt sind. Ich habe weniger Fragen und lese viel weniger nach als bei meiner ersten Schwangerschaft. Außerdem bin ich durch meine Tochter stärker eingespannt als bei meiner ersten Schwangerschaft. So bleibt mir weniger Zeit, mich mit meiner Schwangerschaft zu beschäftigen. An manchen Tagen vergesse ich sogar fast, dass ich schwanger bin, bis mich ein heftiger Tritt wieder an mein kleines Baby erinnert. Also bin ich einerseits entspannter als in der ersten Schwangerschaft, weil mir vieles bereits vertraut ist, andererseits aber auch angestrengter, weil ich mich um meine Tochter kümmern muss und weniger Zeit für Erholung und Vorbereitung auf das Baby habe. Haben Sie überhaupt noch Fragen? An wen wenden Sie sich, wenn Sie Ratschläge suchen?
Hin und wieder habe ich auch in der zweiten Schwangerschaft Fragen. Bei eher medizinischen Fragen (z.B. Soll ich mich gegen Schweinegegrippe impfen lassen?, Darf ich auch in der Schwangerschaft meinen täglichen Latte Macchiato genießen?) wende ich mich an meine Frauenärztin. Bei medizinischen Fragen forsche ich auch gerne im Internet (z.B. Was tun bei niedrigen Blutdruck in der Schwangerschaft?). Wenn ich etwas über den Entwicklungsstand meines Baby wissen möchte, schaue ich in Büchern nach. Mit meiner Hebamme bespreche ich Fragen zur Geburt (Wie war meine erste Geburt? Was kann ich darauf für die nächste Geburt lernen?), Geburtsvorbereitung (wie z.B. Welcher Kurs ist beim zweiten Kind sinnvoll?) und praktische Fragen zum Alltag (z.B. Welches Öl von welcher Firma soll ich für meine tägliche Bauchmassage verwenden?). Es geht um emotionalere Themen wie bei der Frauenärztin (z.B. Wie reagieren ich, mein Partner, meine Tochter auf die Schwangerschaft? Wie kann sich die Geburt des 2. Kindes auf meine Partnerschaft auswirken?) Viele meiner Freundinnen haben bereits zwei Kinder. Sie spreche ich an, um mich darüber auszutauschen, wie das Leben mit zwei Kindern aussieht und wie sie das zweite Kind im Vergleich zum ersten erlebt haben. Wie bereiten Sie sich auf Ihr Kind vor?
Ich habe meine Ernährung an die besonderen Umstände der Schwangerschaft angepasst. Meine Sportgewohnheiten habe ich insofern angepasst, dass ich von normalem Yoga zu Yoga für Schwangere gewechselt habe. Wie vor der Schwangerschaft fahre ich mit dem Fahrrad zur Arbeit. Ich höre mich in der Bekanntschaft um, wer gebrauchte Babysachen abgeben kann, die wir noch benötigen. In Gedanken erstelle ich ständig ToDo- und Einkaufslisten. Leider habe ich bisher wenig Zeit gefunden, meine Pläne in die Tat umzusetzen, da ich durch meine Tochter und meinen Beruf fast rund um die Uhr beschäftigt bin. Wie wichtig ist Ihnen Ihre Ernährung? Worauf achten Sie besonders?
Ernährung ist mir sehr wichtig. Ich verzichte vollständig auf Alkohol. Ich habe mich über das Internet genau informiert, welche Lebensmittel Schwangere meiden sollten. Ich esse z.B. keine Rohwurstwaren oder -käse mehr. Ich achte mehr als sonst darauf, mich ausgewogen, ballaststoffreich und gesund zu ernähren. Außerdem nehme ich ein Vitaminpräparat ein, um meinen gesteigerten Bedarf zu decken. Benutzen Sie auch spezielle Pflegeprodukte?
Ich verwende ein Schwangerschaftsöl für die Bauchmassage. Darüber hinaus verwende ich keine speziellen Pflegeprodukte. Welche Erfahrungen haben Sie generell mit Gesundheitsprodukten für Schwangere gemacht? Und welche Ansprüche oder Wünsche haben Sie an Produkte für Schwangere?
Außer einem Vitaminpräparat mit Folsäure verwende ich wenig Gesundheitsprodukte für Schwangeren. Ich habe einen Schwangerschaftstee ausprobiert, der mir aber nicht zusagte. Von Produkten von Schwangeren erwarte ich allgemein, dass sie frei von Stoffen sind, die mein Baby belasten können. Sie sollten frei von Umweltgiften wie Schwermetallen sein und möglichst wenig Zusatzstoffe wie Farb- und Konservierungsstoffe enthalten. Die Ergebnisse der Zeitschrift ÖKO-TEST sind bei der Auswahl des richtigen Produktes sehr hilfreich. Bei Pflegeprodukten finde ich wichtig, dass sie einen angenehmen, aber nicht zu starken Geruch haben, da ich in der Schwangerschaft sehr empfindlich auf Gerüche reagiere. Hatten Sie schon mal Probleme mit Beipackzetteln? Woran lag das? Was würden Sie sich wünschen?
Beipackzettel finde ich oft unübersichtlich. Oft muss ich fünf Minuten lang suchen, bis ich die Information finde, die ich brauche. Oder ich finde wichtige Information gar nicht. Das hat z.B. dazu geführt, dass einmal der Husten meiner Tochter gar nicht abgeheilt ist, weil ich den schleimlösenden Hustensaft zu lange gegeben habe. Außer mehr Übersichtlichkeit wünsche ich mir, dass Beipackzettel für Laien leichter zu verstehen sind. Häufig sind sie gespickt mit medizinischen Fachbegriffen, die mir fremd sind. Gibt es etwas, was Sie anderen Frauen mit Kinderwunsch oder Schwangeren mit auf den Weg geben wollen?
Erstgebärenden möchte ich gerne Mut zusprechen vor der Geburt. Ich hatte selber sehr viel Angst vor meiner ersten Geburt. Und ja, eine Geburt ist ein sehr eindrucksvolles Erlebnis, Naturgewalten wirken, ein großer Einschnitt im Leben steht bevor. Aber wir Frauen, wir stehen das durch. Ich konnte alle Schmerzen ohne jedes Schmerzmittel ertragen. Unsere Grenzen sind weiter als wir denken. Wir schaffen das. Und ich möchte vor falschen Erwartungen warnen: Es ist ein tolles Gefühl, das Kind das erste Mal im Arm zu halten. Aber die erste Zeit mit dem Kind ist auch sehr anstrengend und Nerven zehrend. Das ist normal. Keine Mutter braucht ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn sie nicht jede Minute überglücklich ist. Jede Mutter kennt den Moment, in dem sie sich total überfordert fühlt. Doch dann lächelt uns das Baby das erste Mal an, es hält zum ersten Mal einen Greifring fest oder gurrt einfach friedlich vor sich hin und schon ist alles wieder vergessen. Kurzportrait
Katrin Braun war zur Zeit des Interviews in der 26. Woche schwanger. Ihr Kind wird voraussichtlich im Januar in Berlin geboren. Mit Katrin Braun freuen sich außerdem ihr Mann und ihre Tochter Emma auf den Nachwuchs. |








